In der Türkei schuften Kinder für unsere Schokoriegel!

Haselnüsse in Süßwaren und Brotaufstrichen wie Nutella kommen größtenteils aus der Türkei. Also mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 70 Prozent kommt eine Haselnuss, die irgendwo auf der Welt verkauft wird, aus der Türkei. Im Nordosten an der Türkei wächst die gemeine Hasel bei besten Bedingungen. Auf 700.000 Hektar Fläche stehen hier die Haselnusssträucher dicht an dicht in ordentlichen Reihen und prägen das Landschaftsbild.

Die Hänge haben eine 20 Prozentige Steigung und seit Jahrhunderten verhindern die Sträucher, dass die Erde abrutscht. Die Haselnussküste – so nennen Einheimische den scheinbar romantischen Streifen.

Derzeit leben geschätzt acht Millionen Menschen in der Türkei direkt oder indirekt vom Haselnussbusiness.

Für die Erntezeit werden aus weiten Teilen der Türkei über Vermittler kurdische Saisonarbeiter eingestellt. Die Wanderarbeiter haben keinen Anspruch auf Mindestlohn oder irgendwelche Sozialleistungen. Sie sind nicht versichert und leben mit ihren Familien bei ihren Arbeitgebern oder weit außerhalb der Orte in Zeltstädten.

Weil es in den Zeltstädten kein fließendes Wasser gibt, sind die Camps oft an Flüssen angesiedelt. Viele Kinder werden mit zur Ernte genommen und arbeiten dort mit ihren Eltern bis zu zwölf Stunden täglich. Deswegen können sie nicht zur Schule gehen wie andere Kinder. Andere kümmern sich um kleinere Geschwister und kochen für die ganze Familie. Umgerechnet erhält ein Wanderarbeiter etwa 14 Euro am Tag, von denen noch rund 10 Prozent an den Vermittler gehen, der den Arbeiter angeworben hat.

Mehr als die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren, die in den Gastarbeitern-Camps leben, sind von Darmparasiten betroffen und denen geht es sehr schlecht. Nur ein Drittel hat Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Das größte Risiko für die Kinder sind Arbeitsunfälle an den steilen Berghängen. An zweiter Stelle stehen Verletzungen durch Bisse von Schlangen und Skorpionen.

Alessio Gaudio

Foto: Stefan Muth (CC-License)